Es macht sich eine tückische Stimmung breit im Lande. Zugegeben, wir leben in schwierigen, um nicht zu sagen chaotischen Zeiten, alte Gewissheiten zerstieben fast täglich, man weiss nicht mehr so recht, wer noch Freund und wer Feind ist, unsere Gesellschaften sind oft schon über einfachste Fragen sehr gespalten, Krieg als Mittel der Politik ist plötzlich wieder hoffähig und Politiker scheinen irgendwo zwischen. grössenwahnsinnig und leichtfertig zu agieren. Da kommt bei vielen plötzlich die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ auf. Nostalgie wird zum Mittel der Politik und von Populisten jeglicher Couleur gerne genutzt, um auf Stimmenfang zu gehen. Dazu wird natürlich auch gerne mit der Angst gearbeitet, obwohl Angst zwar ein wichtiges Warnsignal, aber immer ein schlechter Ratgeber ist.
Warum hier und nicht woanders – und warum überhaupt
Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, warum Sie überhaupt da sind? Ich meine, wenn Sie aus einer kinderreichen Familie stammen, was wäre, wenn Ihre Mutter schon beim vorherigen oder vorvorherigen Geschwister gesagt hätte: Schluss, aus. Ich kann nicht mehr. Keine weiteren Kinder. Wenn Ihr Vater oder Ihre Mutter an dem Tag (oder der Nacht) Ihrer Zeugung keine Lust oder einfach Migräne gehabt hätte? Was wenn Ihre Frau Mama dem Werben eines anderen Mannes nachgegeben hätte oder die Spermien Ihres Vaters sich woanders auf Wettrennen begeben hätten?
Und überhaupt, warum sind Sie überhaupt hier geboren und nicht irgendwo in Afrika, in den Anden oder in einer asiatischen Grossstadt? Welchem Zufall haben Sie es zu verdanken, dass Sie gerade der oder die sind, die Sie heute nun mal sind?
Am Wochenende habe ich mal wieder viel Gitarre gespielt. Auch eines meiner Lieblingslieder Es ist ein wunderschöner Text von Jürgen Werth. „Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein offnes Tor in einer Mauer, für die Sonne aufgemacht. Wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß, wie ein Blatt an toten Zweigen, ein “Ich-mag-dich-trotzdem-Kuß.”[…] Wie der Frühling, wie der Morgen, wie ein Lied, wie ein Gedicht, wie das Leben, wie die Liebe, wie Gott selbst, das wahre Licht.ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeihn, so ist Versöhnung, so muß der wahre Frieden sein.“ Zu einer eingängigen und flotten Melodie hat Werth da Hoffnungsbilder gefunden, die sich einprägen.
In der Feedbackrunde des Konflagers sagten einige Jugendliche, dass sie sich hier und da ungerecht ansprechen oder behandelt fühlten. Auch zwei Teamer meinten, dass man in der Ansprache an die Jugendlichen einiges anders hätte ansprechen können. Das trübte nicht den Gesamteindruck, der bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut war. Dennoch habe ich das gehört.
Ich nehme das wahr und ich nehme das ernst. Habe ich wirklich den Jugendlichen Unrecht getan? Einen falschen Ton angeschlagen? Ich will und kann das nicht ausschliessen, denn im Eifer des Gefechts sagt man schnell Worte, die man nicht bedacht oder abgewogen hat. Ich muss auch immer wieder meine Sprache, meine Kommunikation (die immer mehr ist als nur Worte und Sprache ) überdenken? Ist sie angemessen? Aufmerksam? Und auch wenn man natürlich einwenden kann, dass die Jugendlichen auch leicht den falschen Ton anschlagen können oder durch ihr Verhalten einen bestimmte Tonlage provozieren, ist das ja keine Entschuldigung. Immerhin kann ich sagen, dass der Ton doch immer sehr ruhig war, niemand angeschrieen oder runtergemacht wurde. Aber ich will auch in den Nuancen aufmerksam bleiben. Sprache ist Hoffnung, gehört zu werden. Das gilt in beide Richtungen.
In dieser Woche sind wir mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden im Konflager in Lützelflüh. Neben kreativem Programm und dem Vorbereiten des Konfirmationsgottesdienstes werden wir an einem Tag auch im Napfgebiet Gold waschen und hoffentlich auch etwas finden. Ob es ein grosser Schatz sein wird? Oder doch eher ein paar Flitter Gold, die bestenfalls als Erinnerung an ein Abenteuer dienen?
Das Thema, das uns im Konflager Leuten wird heisst: „Träume und Ziele“.
Wir Menschen haben ja einen grosse Sehnsucht, einen Schatz zu finden, viele träumen davon, im Lotto zu gewinnen, auf jeden Fall wenigstens, das grosse Glück auf einen Schlag zu finden. Und fast jeder hat das Ziel reich und sorgenfrei zu werden.
Im Gottesdienst an Ostern sangen wir das Lied RG 486 „Der schöne Ostertag“ mit dem schönen Text von Jürgen Henkys. In der dritten Strophe heisst es da:
Muss ich von hier nach dort –
er hat den Weg erlitten.
Der Fluss reisst mich nicht fort,
seit Jesus ihn durchschritten.
Wär’ er geblieben, wo des Todes Wellen branden,
so hofften wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden,
erstanden.
Ich erinnere mich, dass ich im letzten Jahr, als wir dieses Lied sangen, weinen musste.